Oberflächen, Strukturen, Details
Besonders beeindruckend war für uns gleich am Montag der Besuch in der Herz-Jesu- Kirche, zu Beginn unserer Reise, deren moderne und minimalistische Architektur bei uns viele unterschiedliche Eindrücke auslöste. Vor allem der erste Eindruck der Kirche überraschte viele von uns, da sie sich deutlich von unseren Vorstellungen von einer Kirche unterschied. Durch die Gestaltung der Glasfront im Eingangsbereich der Kirche, das Zusammenspiel von Licht- und Raumwirkung, die großen bemusterten Glasflächen oder die einfach gehaltene Innenarchitektur entstand eine besondere Atmosphäre. Außerdem beschäftigten wir uns mit der Frage, wie die Architektur der Herz-Jesu-Kirche trotz seiner Modernität und Einfachheit religiöse Botschaften vermitteln kann.
Auch der Besuch in der Glyptothek bot uns spannende Einblicke in antike Kunst. Dort erhielten wir eine sehr eindrückliche Führung, die uns die Geschichte der Glyptothek näherbrachte und durch archäologische Hintergründe neue künstlerische Aspekte und Blickwinkel auf die Werke eröffnete. Durch eigene Skizzen und Notizen setzten wir uns intensiv mit der Oberflächengestaltung auseinander. Besonders interessant war außerdem die unterschiedliche Gestaltungsweise der antiken Skulpturen.
Auch das Gebäude der Glyptothek selbst erzeugte durch seine Größe, Architektur und Platzierung nahe der ehemaligen NSDAP- Zentrale eine imposante und zugleich bedrückende Wirkung.
Nach dem Besuch in der Glyptothek leiteten wir (Sarah und Malou) unseren Kunstkurs durch eine praktische Übung, den Taschen- bzw. Gullydruck, bei welcher Taschen mit der „DNA“ Münchens entstanden. Als künstlerischen Ausgangspunkt nutzten wir die alltäglichen Gullydeckel, die der Großteil der Menschen nicht als solchen wahrnimmt. Es war eine sehr spannende, interessante und mitunter lustige Aufgabe. Durch das Abdrucken der Gullydeckel wurde uns bewusst, dass Kunst nicht nur in Museen zu finden ist, sondern auch im Alltag verborgen liegen kann. Wir achten seitdem wir viel bewusster auf solche kleinen, zunächst unscheinbaren Details im Alltag.
Ein weiteres Highlight war der Theaterbesuch im Zentraltheater in München, in welchem wir uns das Theaterstück „Die Wand“, nach dem Roman von Marlen Haushofer, ansahen. Das Theaterstück beschäftigte sich mit vielen tiefgründigen Themen wie Isolation, Einsamkeit und emotionalen Abgründen des menschlichen Seins. Die Schauspielerin Kathrin von Steinburg inszenierte das Theaterstück durch eine sehr emotionale und leidenschaftliche Darstellung. Besonders interessant war außerdem, dass das Theaterstück viele offene Fragen und Unverständnis hinterließ. Dadurch entstand bei vielen von uns ein eher unbefriedigendes, nachdenkliches Gefühl.
Am Mittwoch trafen wir uns nach dem Frühstück im Eingangsbereich der Jugendherberge und fuhren gemeinsam mit der U-Bahn zur Alten Pinakothek, die mit zu den bedeutendsten Kunstmuseen in München zählt. Dort angekommen, nahmen wir schon durch das imposante Gebäude eine ruhige, fast ehrfürchtige Atmosphäre wahr.
Durch eine Führung wurden uns einige Gemälde vorgestellt, insbesondere Giotto di Bondones „Letztes Abendmahl“ (1303–1306). Besonders begeistert waren wir von den Goldprägungen und der Tatsache, dass die Heiligenscheine „perspektivisch falsch“ gezeichnet waren. Anschließend war unsere Aufgabe, von diesem Werk eigene Kompositionsskizzen anzufertigen. Im Anschluss hatten wir noch Zeit, das Museum eigenständig zu erkunden und uns die unterschiedlichsten Gemälde von bekannten Künstlern anzuschauen. Diese umfassten vor allem die europäische Malerei vom 14. bis zum 18. Jahrhundert, darunter Werke von Albrecht Dürer, Peter Paul Rubens und Leonardo da Vinci. Hierdurch hatten wir die Chance, die technische Perfektion sowie die Licht- und Schatten-Darstellungen dieser Künstler aus nächster Nähe zu betrachten. Besonders die überdimensionale Größe mancher Kunstwerke beeindruckte uns.
Um den Gemälden und der Kunst näherzukommen, hatten wir verschiedene Aufgaben, wie einem Kunstwerk drei Fragen zu stellen, unser Lieblingswerk zu fotografieren oder den „5-Sinne-Check“ durchzuführen. Außerdem sollten wir die Postkarte eines ausgestellten Werkes kaufen, diese aus der Sicht des Künstlers beschriften und an eine geliebte Person versenden.
Mit diesen Eindrücken im Gepäck ging es nachmittags in die Innenstadt, da uns der restliche Nachmittag zur freien Verfügung stand. Abgerundet wurde dieser gelungene Tag, durch einen Performanceabend. Thema war das Spannungsfeld von Körper, Raum und Bewegung anhand eines Luminogramms darzustellen. Mit auf unseren Körpern befestigten Lichtstäben, wurden unterschiedliche Figuren, Symbole oder auch Kleidung dargestellt und diese in Bewegung fotografisch festgehalten. Dies war ein wundervolles Gemeinschaftserlebnis, welches unsere Gruppe nochmals gestärkt hat.
Am nächsten Tag führte uns der Weg in die Pinakothek der Moderne, die einen starken Kontrast zur Alten Pinakothek darstellt. Schon das moderne Gebäude zeigte uns, welche Kunstwerke wir im Inneren vorfinden würden. Die Sammlung umfasst Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts und beherbergt Malerei, Skulpturen, Design und Architektur. Schon beim Eintritt ins Museum begrüßte uns direkt die Installation „Alpen- Clan“. Dies waren lustige Gestalten, die aus Stein gemeißelt wurden, und die wir sofort zu unserem letzten Unterrichts Thema, der Bildhauerei zuordnen konnten. Durch eine interessante Führung wurden uns verschiedene Kunstwerke näher erläutert. Besonders intensiv setzten wir uns dabei mit der „Kreuzigung“ von Francis Bacon aus dem Jahr 1965 auseinander.
Im Anschluss an die Mittagspause hatten wir noch Gelegenheit, die Pinakothek der Moderne selbstständig zu erkunden. Dabei besuchten wir unter anderem die Designausstellung, die Reflexion (Licht, Spiegel, Transparenz) + die Robotic Worlds Ausstellung. Auch hier halfen uns verschiedene Aufgaben dabei, der Kunst näherzukommen, wie z.B. ein Kunstwerk zu finden, welches einen Bezug zu Kunst und Gesellschaft darstellt. Besonders eindrucksvoll war für viele von uns das Kunstwerk „French Window“ (2012) von Veronika Kellndorfer, da es nicht so auffällig war und dadurch zeigte, dass es Berufe in unserer Gesellschaft gibt, die nicht so viel Wertschätzung und Aufmerksamkeit erfahren. Insgesamt wurde uns bewusst, wie vielfältig Kunst ist und was sie alles beinhalten kann.
Am späten Nachmittag besichtigten wir noch die Asamkirche, die im Stile des Spätbarocks erbaut wurde und mit zu einer der bedeutendsten südbayerischen Bauwerke dieser Zeit gilt. Von außen wirkt die Asamkirche eher unscheinbar, da sie mitten in einer belebten Einkaufsstraße liegt und sehr schmal und hoch gebaut wurde. Beim Eintritt in die Kirche gelangte man zunächst in einen kleinen Vorraum, welcher eher dunkel und drückend wirkte und einen starken Kontrast zum hellen, hohen Innenraum darstellte. Beim Betreten des Innenraums kam es dann zu einer absoluten Überwältigung aller Sinne, welches durch das faszinierende Zusammenspiel von Architektur, Malerei und Plastik geschah.
Außerdem hatten wir das große Glück, einer Chorprobe beizuwohnen, während wir im Kircheninneren die Deckenmalereien und Statuen bewunderten. Hierbei fiel uns auch auf, dass das Kreuz am Altar aufgrund der Fastenzeit durch ein lilafarbenes Tuch bedeckt war. Dies war uns schon in der Herz-Jesu-Kirche aufgefallen und so schloss sich der Kreis. Anschließend hatten wir noch eine Stunde Freizeit. Bei einem gemeinsamen Abendessen in der L´Osteria ließen wir den Tag und unsere gemeinsame Woche in München ausklingen.
Am Freitag ging es nach vielen Eindrücken und einer fantastischen Woche voller Kunst und Kultur wieder nach Hause. Durch die vielen Aufgaben änderte sich unsere Wahrnehmung deutlich, da wir begannen Oberflächen, Strukturen Details viel bewusster wahrzunehmen als im Alltag.
Im Namen des gesamten BK LKs wollen wir uns herzlich bei Frau Brenner und Frau Lukic bedanken, die diese tolle Exkursion erst möglich gemacht haben. Vielen Dank für die Planung, Organisation, Begleitung und die tolle Woche in München!
(Sarah Bauer und Malou Fröhlich, JS1)

















