Modernes Wohnen vor fast 100 Jahren – Exkursion zur Weißenhofsiedlung in Stuttgart

Vor Ort war die Architektur der Moderne unmittelbar erlebbar und sollte den ersten Einstieg in die Gestaltungsprinzipien der architektonischen Moderne zeigen.

Die Weißenhofsiedlung entstand 1927 im Rahmen der Werkbundausstellung „Die Wohnung“. Internationale Architekten entwickelten hier neue Ideen für zeitgemäßes Wohnen als klare Abkehr von der traditionellen, historistischen Wohnarchitektur des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Klare Formen, Flachdächer, helle Räume und funktionale Grundrisse sollten zeigen, wie Architektur den Alltag und die Gesundheit der Menschen verbessern kann und Lösungen zur Wohnungsnot aufzeigen. Auch die Rolle der modernen Frau wurde mitgedacht.

Besonders eindrucksvoll war das tatsächlich begehbare Doppelhaus von Le Corbusier und Pierre Jeanneret. Hier tauchten auch immer wieder kontroverse Fragen auf: Ist das Doppelhaus von Le Corbusier wirklich alltagstauglich oder eher ein architektonisches Experiment? Bietet die offene Raumgestaltung Freiheit oder schränkt sie die Privatsphäre ein? Sind Flachdach, weiße Fassade und Fensterbänder praktisch oder vor allem ästhetisch? Warum war es so schwierig für die Mieter das Haus zu bewohnen? Warum ist das Haus an vielen Stellen so eng? Ist es komfortabel ein Haus wie eine Maschine zu bauen?

Der Besuch machte deutlich, dass Architektur weit mehr ist als die Gestaltung von Gebäuden. Sie prägt unseren Alltag, beeinflusst unsere Bewegungsmöglichkeiten und bestimmt mit, wie wir Räume nutzen und erleben. Ebenso zeigt Architektur auch den gesellschaftlichen Status und die soziale Repräsentation.

Ausgehend von dieser Erfahrung werden wir uns nun weiteren spannenden Fragestellungen widmen können: Welche Vorstellungen vom Wohnen sind heute noch aktuell? Wie müssen Gebäude gestaltet sein, damit sie den Bedürfnissen unterschiedlicher Menschen und den Problemen der Zeit gerecht werden?